Deckzeitbestimmung

Autorin: Dr. med. vet. Nina Müller

Deckzeitbestimmung bei der Hündin

Vaginalzytologie

Zur Deckzeitbestimmung führen wir eine Vaginalzytologie des Scheidendaches durch. Vor allem junge Hündinnen werden mittels eines lokalbetäubenden Gels vorbereitet. Die Probenentnahme dauert wenige Sekunden und ist nicht schmerzhaft. Direkt in unserem hauseigenen Labor färben wir den Abstrich an und untersuchen die Zellstrukturen, sodass wir Sie noch am gleichen Tag über den Zyklusstand informieren können. Je nach Kenntnis des Besitzers über das typische Verhalten seiner Hündin in der Standhitze werden die Abstriche alle 2-3 Tage wiederholt.

Das Zellbild ändert sich zum Östrus in individueller Geschwindigkeit von Superfizialzellen (Plattenepithelien mit Kern) zu den typischen Schollenzellen (ohne Kern), wobei zunehmend weniger Erytrozyten zu sehen sind. Durch das Maß der Zellveränderung im definierten Zeitabstand kann der Ovulationszeitpunkt abgeschötzt werden.

Progesteronbestimmung

Zudem kann bei der Hündin der Progesteronspiegel über eine Blutuntersuchung gemessen werden. Da die Werte individuell sehr schwanken, wird eine serielle Untersuchung empfohlen (z.B. alle 2 Tage).

Wir führen die Progesteronuntersuchung direkt im Haus durch, sodass Sie das Ergebnis kurze Zeit nach der Blutentnahme erhalten.

Da die Bestimmung mittels eines semiquantitativen Schnelltests (ELISA – enzyme-linked Immunosorbent assay) ca. 85% der Genauigkeit eines RIA (radioimmunoassay) erreicht, kombinieren wir gerne die Untersuchung der Vaginalzellen (Scheidendachabstrich).

Die Nachteile eines RIA Tests sind die Wartezeit durch das Einsenden in ein Fremdlabor und die Anfälligkeit auf falsch-niedrige Werte durch ungekühlte Lagerung sowie mögliche Kreuzreaktionen.

Deckbereit (Standhitze) ist die Hündin bei einer Progesteronkonzentration > 2 ng/ml (optimal 5-10 ng/ml) sowie dem entsprechenden vaginalzytologischen Befund mit ca. 100% Schollenzellen (meist 3-4 Tage nach dem ersten Progesteronwert > 2 ng/ml).

Der optimale Deckzeitpunkt ist also der erste oder zweite Tag nach dem Eisprung. Falls ein zweiter Deckversuch vereinbart wird, sollte dieser bis zum 4. Tag nach dem Eisprung erfolgen.

Vor allem die Standhitze ist vom Besitzer genau zu beobachten und abzupassen. Wird die Hündin zu früh gedeckt, sind eventuell nicht mehr genügend Spermien lebensfähig, bis die Eizellen gereift sind. Wird die Hündin zu spät gedeckt, sind eventuell nicht mehr alle Eizellen befruchtbar.

Die Läufigkeitsphasen der Hündin

Anöstrus

Im Anöstrus (hormonelle Ruhephase) erwarten wir Progesteronwerte von unter 1 ng/ml (< 3 nmol/l) Serumprogesteron.

Proöstrus

Der Proöstrus (Vorbrunst) dauert durchschnittlich 9 Tage, kann aber von 3 bis 17 Tage variieren.

Der Besitzer erkennt diesen Zeitabschnitt an den stark vergrößerten Schamlippen (Vulva) und dem blutigen Vaginalausfluss.

Während des Proöstrus steigen die Progesteronwerte langsam auf 2-5 ng/ml.
Etwa zwei Tage nachdem sich der Progesteronantieg zeigte, erfolgt der Eisprung (Ovulation).

Östrus

Die Phase des Östrus (Brunst) kann von 3 bis zu 21 Tagen andauern. Während des Östrus ist die Hündin deckbereit und hält ihre Rute einladend zur Seite. Der Vaginalausfluss ist fleischwasserähnlich bis strohfarben.

Während der Ovulationsperiode (Eisprung) zu Beginn des Östrus erwarten wir Progesteronwerte von 5-10 ng/ml. Bei einer Progesteronkonzentration > 8 ng/ml hat eine Ovulation sicher stattgefunden, bei Werten > 10 mg/ml kann die fertile Phase vorbei sein.

Zwei bis drei Tage nach dem Eisprung ist die gereifte Eizelle zur Befruchtung bereit. Die in den Eileiter eintretenden Eizellen bleiben für 2 (bis max. 6) Tage befruchtungsfähig. Spermien können 4 bis 7 Tage nach der Paarung befruchtungsfähig bleiben.

Werte über 2-8 ng/ml deuten auf einen funktionellen Gelbkörper hin.

Met- und Diöstrus

Während des Met- und Diöstrus bleibt der Progesteronspiegel erhöht. Hierbei unterscheiden sich trächtige von nichtträchtigen Hündinnen nicht. Bei trächtigen Hündinnen fällt jedoch der Progesteronspiegel vor dem Geburtstermin deutlich ab, während er bei der nichtträchtigen Hündin sehr langsam abfällt.